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Coaching Ausbildung Teil 2 – Was ist eigentlich gewaltfreie Kommunikation?

Vergangenes Wochenende fand der zweite Block meiner Coaching-Ausbildung statt und es stand das Thema Kommunikation auf dem Plan (YAY!). Während es freitags noch um allgemeine Grundlagen ging, waren wir den kompletten Samstag mit der gewaltfreien Kommunikation beschäftigt.

Ich persönlich konnte mir darunter zunächst überhaupt nichts vorstellen, auch wenn ich durch eine Freundin bereits wusste, dass Bedürfnisse dort wohl eine große Rolle spielen sollen. Bereits am Anfang, als es darum ging, Formen der Kommunikation kennenzulernen, die Gewalt beinhalten, bin ich fast hinten über gefallen, weil ich feststellen musste, dass ich offensichtlich sehr oft mit Gewalt kommuniziere, ohne dass es mir in irgendeiner Form bewusst war.

Doch was bedeutet eigentlich Gewalt in der Kommunikation? Dass z. B. Bewertungen, Strafen, moralische Urteile und Forderungen darunter fallen, kann man sich noch gut vorstellen. Aber dass auch Zustimmung, Lob und meine heiß geliebten “Das kenne ich auch”-Sätze etwas damit zu tun haben sollten, hat mich doch stark überrascht.

Im Gegenzug nimmt man bei der gewaltfreien Kommunikation (im Folgenden GFK) eine komplett neutrale Haltung an und lässt sein Gegenüber beispielsweise einfach nur sein Anliegen darlegen, während man selbst maximal durch aktives Zuhören präsent ist und das Gesagte spiegelt. Es setzt ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Achtsamkeit beim Zuhörer voraus. Diese Art der Haltung ermöglicht folglich einen wertschätzenden Umgang miteinander und kann sowohl in Alltagssituationen als auch ganz besonders bei Konflikten eingesetzt werden.

Doch wie kommt man genau dahin und welche Schritte sind dazu notwendig? In der GFK gibt es dazu einen klaren Leitfaden, der aus vier Schritten besteht:

  1. Beobachtung: In diesem Schritt wird eine Handlung oder Situation frei von Bewertungen beschrieben, um sich Klarheit darüber zu verschaffen, worum es eigentlich genau geht.
  2. Gefühl: Die beobachtete Situation löst ein Gefühl aus, welches so konkret wie möglich benannt werden soll. Wichtig ist, dass es ein echtes Gefühl wie z. B. Hilflosigkeit, Freude, Mut oder Liebe und kein Pseudogefühl sein soll. Pseudogefühle beziehen sich nicht mehr nur auf uns selbst, sondern auch auf andere und genau daran lassen sie sich erkennen. Gekränkt, enttäuscht, vernachlässigt oder betrogen wären einige davon.
  3. Bedürfnis: Dieses leitet sich vom Gefühl ab und steht deshalb immer damit in Verbindung. Wenn ich mich also einsam fühle, werde ich vermutlich ein starkes Bedürfnis nach Nähe, Zugehörigkeit oder Unterstützung haben. Gefühle sind deshalb immer ein guter Kompass, um zu checken, ob bestimmte Bedürfnisse aktuell erfüllt sind oder nicht.
  4. Bitte: Vom Bedürfnis ausgehend könnte man abschließend eine Bitte formulieren, die jedoch nicht mit einer Forderung verwechselt werden darf, weil Bitten sowohl bejaht als auch verneint werden können. In der GFK wird noch zwischen Handlungsbitte (beispielsweise darum, den Müll rauszubringen) und Beziehungsbitte, die auf eine Beschreibung der Empfindungen des Gegenübers abzielt, unterschieden.

All die genannten Schritte sind jedoch zum Scheitern verurteilt, wenn die entsprechende Haltung, also die innere Einstellung zum Umgang mit anderen und uns selbst, fehlt. Diese ist dabei immer frei von Bewertungen und setzt das Gegenüber niemals in Schuld, sondern geht von der Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen für seine Gefühle aus. Und diese können eben je nach Situation und dem Stand der eigenen Bedürfnisse variieren.

Mein großes Learning an dem Wochenende bestand darin, dass mir bewusst wurde, wie schwierig ich es finde, Gefühle, die bei mir in bestimmten Situationen aufploppen, zu benennen, während die Benennung der Bedürfnisse für mich keinerlei Problem darstellt. Einigen meiner Mitstreiter ging es genau umgekehrt, was zeigt, wie individuell die Herausforderungen bei der GFK sein können.

Insgesamt finde ich dieses Modell absolut schlüssig und denke, dass es ein gutes Tool ist, um viele Konflikte auf einfache Art und Weise lösen zu können. Allerdings stelle ich es mir schwierig vor, die Übung des Modells in seinen Alltag zu integrieren, ohne zu gekünstelt auf sein Gegenüber zu wirken. Besonders die Haltung ist jedoch etwas, das ich künftig versuchen werde, noch mehr in meinen Alltag und meine Kommunikation mit anderen zu integrieren.

Habt ihr auch schon Erfahrungen mit gewaltfreier Kommunikation gemacht? Und wie ist es euch mit der Umsetzung im Alltag ergangen? Teilt eure Meinung gern in den Kommentaren oder schreibt mir über das Kontakt-Formular.

Photo by Joshua Ness on Unsplash

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